So sehr ich Andre Vatter vom Basic Thinking Blog recht gebe, wenn er fordert, daß wir auf die Straße gehen sollen und unser Umfeld über die Kurzsichtigkeit einiger Politiker aufklären sollen, so sehr muß ich ihm doch widersprechen, daß Polemik dazu das Mittel der Wahl ist.
Meine Argumente liefert er in seinem Artikel gleich mit:
1.) "Die Politik hat diese Debatte längst vom Pfad der Sachlichkeit geführt" - korrekt. Das ist nicht zuletzt ein Ergebnis polemisch geführter Debatten. Und wer auch nur ein bißchen daran interessiert ist, eine Debatte zu führen, die sachlich ist und sachlich korrekte Ergebnisse liefert, wird es vermeiden, mit Diffamierungen, Vereinfachungen und emotionalen Argumenten Debatten aus dem Sachlichen heraus zu führen. Wohin das führt, können wir sehr gut an unserer Politik sehen. Ihre Aussagen werden von einem Großteil der Bevölkerung für nicht realistisch gehalten und im besten Fall ignoriert. Das führt zu einer Loslösung der Entscheider von denen, die mit den Entscheidungen leben müssen. Eine Verbesserung entsteht nicht dadurch, daß sich diejenigen, die mit Entscheidungen leben müssen, auch aus der Realität verabschieden, sondern darin, daß sie mit aller Macht - aber nicht mit allen Mitteln - darum kämpfen, die Entscheider zurück in die Realität zu holen.
2.) "Wenn die Stimmen der größten Petition in der Geschichte der BRD, bei der 132.000 Menschen gleichzeitig aufgestanden sind, um ein Zeichen gegen das Vorgehen der Regierung zu setzen, einfach weggewischt werden, ist es Zeit für den nächsten, höheren Gang. " - Ich kanns nicht mehr hören. Von den 62 Millionen Wahlberechtigten ist das noch nicht mal 1%. Jeder, der glaubt, mit dieser Petition das Recht zu haben, mehr Gehör zu fordern, sollte sich zuvorderst mal überlegen, ob er willens ist, seinen Namen unter die Petition zu setzen. Denn als ich die Petition unterschrieben habe, war ich erschüttert davon, wieviele kaputte eMail-Adressen und offensichtlich "hingerotzte" und damit erfundene Namen bei den Unterzeichnern dabei waren. Ganz ehrlich: einen solchen Widerspruch würde ich auch nicht für voll nehmen. Wer nicht bereit ist, mit seinem Namen und seinem Gesicht für seine Meinung einzustehen, braucht sie meiner Meinung nach gar nicht erst zu äußern.
Am anderen Ende gebe ich seiner inhaltlichen Kritik, die er äußert, vollkommen Recht. Es kann nicht angehen, daß den meisten Politikern außer "Sperren" und "Verbieten" keine anderen Lösungen mehr einfallen. Es ist doch nonsens, daß man den Mord in München durch mehr Kameras hätte verhindern können. Der einzige, der das vielleicht hätte verhindern können, wäre ein anwesender Polizist gewesen. Aber eine Kamera garantiert nicht. Ebensowenig kann ein Amoklauf dadurch verhindert werden, daß ich jemandem verbiete, ein bestimmtes Genre Spiele zu spielen. Ich weigere mich im Übrigen, sie Killer-Spiele zu nennen. Denn ein Autorennen, bei dem ich einen Konkurrenten von der Straße ramme, könnte auch in diese Kategorie fallen. Ein ordentlicher Umgang mit der Materie und eine bewußte Trennung von Realität und Virtualität sind meiner Meinung nach wesentlich hilfreicher, um von solchen Spielen ausgelösten Gewalttaten vorzubeugen - mal angenommen, es gibt tatsächlich eine signifikaten Korrelation.
Last but not least: manchmal sollte sich der Mensch auch an die eigene Nase greifen. Jeder ist dafür verantwortlich, daß die Gemeinschaft, in der er lebt, auch funkioniert. Eine in sich kaputte Gemeinschaft können weder "andere" noch der "Staat" reparieren - denn getreu Ludwig XIV. gilt: "l'etat c'est moi" - jeder von uns ist ein Stück vom Staat und für sein funktionieren verantwortlich.